Brigitte Grawe Fotografie & Blog

Holyrood, auf den Spuren Maria Stuarts

Der Palace of Holyroodhouse in Edinburgh – auch Holyrood Palace genannt – liegt am östlichen Ende der Royal Mile. Der im 16. Jahrhundert erbaute Palast, umgeben vom Holyrood Park,  gilt als das „schottische Versailles”. Das Barockschloss mit herrlichem Blick auf Arthur’s Seat war Schauplatz wichtiger Ereignisse schottischer Geschichte. Die berühmteste Bewohnerin war die Königin von Schottland; Maria Stuart, deren Leben bestimmt war von Machtkämpfen um den Thron und Streitigkeiten zwischen Katholiken und Protestanten.

1542 im Schloss von Linlithgow geboren, wurde sie durch den frühen Tod ihres Vaters König Jakob V, bereits im Alter von 6 Tagen Königin von Schottland. Die Regentschaft wurde zunächst von James Hamilton, Earl of Arran, später von ihrer Mutter,  Marie de Guise (1515–1560) übernommen. Mit sieben Monaten wurde Maria bereits verlobt; mit dem sechsjährigen Eduard VI., dem einzigen Sohn Heinrich VIII von England. Am 9. September 1543 fand die Krönung statt. Daraufhin wurde die Verlobung durch die machthabende katholische Partei wieder gelöst. Zweimal kam es in der Folge zum Krieg zwischen Schottland und England, beide Male konnte Marie de Guise ihre Tochter rechtzeitig in Sicherheit bringen. Aufgrund der andauernden politischen und religiösen Unruhen wurde Maria schließlich nach Frankreich geschickt; ins Heimatland der Mutter.. Dort sollte sie am Hofe unter katholischer Obhut wohlbehalten aufwachsen. Mit 16 Jahren heiratete sie den französischen Thronfolger. 1559 wurde dieser zum König Franz der II von Frankreich, und Maria Königin von Frankreich. Doch ein weiteres Jahr später, im Alter von nur 17 Jahren, war Maria bereits Witwe. Als kurz darauf auch Marias Mutter in Schottland starb, ging sie 1560 zurück in ihre Heimat. Fortan lebte sie im Palace of Holyroodhouse in Edinburgh. Und genau hier sollten sich jene schicksalhaften Ereignisse abspielen, die letztendlich dazu führten, dass Maria aus Schottland fliehen musste. Was folgte, war eine 18 Jahre andauernde Haft in England, an deren Ende sie schließlich wegen Hochverrats zu Tode bestraft und 1587 hingerichtet wurde.

Heute ist der Palace of Holyroodhouse offizieller Sitz der britischen Royals in Schottland. Er wird für Staatszeremonien und offizielle Empfänge genutzt. Jedes Jahr verbringen sie hier eine Woche zum Start in den zweimonatigen Sommeraufenthalt auf Schloss Balmoral. In der übrigen Zeit des Jahres ist der Palast, soweit niemand von der königlichen Familie dort weilt, teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich.

Ausgestattet mit einem Audioguide betritt man den Schlosshof, und hat direkt einen prachtvollen Blick auf die Front des eindrucksvollen Gebäudes. Im Innern erwartet den Besucher eine Tour durch diverse königliche Räume. Beginnend mit dem Royal Dining Room, erkundet man u.a. den Thronsaal und die prunkvolle große Galerie, bestückt mit den Portraits schottischer Könige. Höhepunkt der Besichtigung ist jedoch der private Wohnbereich Maria Stuarts. Zu sehen sind ihr Schlafgemach und der große Vorraum, in dem sie Besucher empfing. Dieser Raum zeigt heute Gegenstände aus der Zeit der Stuarts und Jakobiten, vor allem zahlreiche persönliche Habseligkeiten Maria Stuarts. Ein Raum mit tragischer Geschichte ist das kleine Esszimmer direkt neben Marias Schlafgemach. Hier ereignete sich eben jenes folgenschwere Geschehen, das Marias Leben eine tragische Wendung gab. Als sie am Abend des 9. März 1566 gerade mit ihren Hofdamen und ihrem Sekretär David Rizzio dort zu Abend aß, drang ihr Mann Lord Darnley gewaltsam ein. Getrieben von Eifersucht verlangte er gemeinsam mit Verschwörern des schottischen Adels die Herausgabe Rizzios. Vor den Augen der zu dieser Zeit schwangeren Maria wurde ihr engster Vertrauter schließlich bestialisch ermordet. Die Königin wurde von den Rebellen unter Hausarrest gestellt. Dieses Geschehen war der Beginn verhängnisvoller Entwicklungen …

Ein Besuch Holyroods ist durchaus lohnenswert. Das historische Interieur des Gebäudes gibt einen interessanten Einblick in das royale Leben früherer und heutiger Zeiten. Durch solch geschichtsträchtige Gemäuer zu wandeln, finde ich immer wieder beeindruckend. Zu wissen, wer dort gelebt und was sich dort alles ereignet hat, ist eigenartig. Der gut gemachte Audioguide ließ die Räume vor meinem inneren Auge lebendig werden. Ich sah Maria Stuart dort schlafen, essen und durch den Schlosspark wandeln … Na  ja, ein wenig war es wohl auch die Fantasie der Künstlerin in mir, die den düsteren Gemächern Leben einhauchte. Alles in allem eine empfehlenswerte Sehenswürdigkeit, zumal die angeschlossene Ruine von Holyrood Abbey, die königlichen Gärten und der Holyrood Park den Eintrittspreis von nicht weniger als £11,00 wettmachen. Gerade die Abbey erwies sich als eines der schönsten Fotomotive Edinburghs.

Hier die übliche Auswahl meiner Fotos, im Schloss war das Fotografieren leider nicht gestattet. Daher gibt es lediglich Außenaufnahmen: Holyrood Palace