Brigitte Grawe Fotografie & Blog

The Shard

Ein Highlight meiner Londonreise war zweifellos ‚The Shard‘. Der Skyscraper ist mit 310m nicht nur das höchste Gebäude Londons, sondern ganz Westeuropas. Ursprünglich sollte er mehr als 400m hoch werden. Doch damit waren weder die Londoner noch die Behörden einverstanden. Auch die Einflugschneise des London City Airport sprach dagegen. So einigte man sich schließlich auf die jetzige Höhe, immer noch beachtlich, wie ich finde. Von dort oben hat man einen atemberaubenden 360-Grad-Ausblick auf die Metropole an der Themse. An klaren Tagen beträgt die Fernsicht bis zu 64 km. Leider ist es ein teures Vergnügen; satte 29,95 britische Pfund kostet das Ticket. Ein überteuerter Preis, wie ich finde. Das ist sogar deutlich mehr, als etwa für das Empire State Building in New York.  Als Touristin wäre ich auch nicht bereit gewesen, so viel zu bezahlen. Aber nun war ich beruflich dort, und der Shard aus diesem Grund ‚ein Muss‘. Aber wenigstens kann man so lange dort oben bleiben, wie man möchte. Und wenn ich im Nachhinein meine Fotos betrachte, hat es sich gelohnt.

DSC07450a1Der Architekt Renzo Piano entwarf mit diesem Gebäude zugleich den ersten Öko-Wolkenkratzer. Die Form des Bauwerks spart jede Menge Stahl und erfordert zeitgleich eine effiziente Nutzungsplanung. So richtete man – ausgehend von unterschiedlichem Raum- und Lichtbedarf – in den unteren Etagen Büros ein, darüber ein Hotel und ganz oben Luxus-Apartments. Die höchsten, für Besucher offenen Etagen 69 bis 72 sind Aussichtsplattformen. Darüber liegt die Spitze mit nochmals 15 Etagen. Dort sind technische Einrichtungen untergebracht, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Im gesamten Hochhaus gibt es 44 Fahrstühle und 306 Treppen. Betrieben wird es über ein zentrales Kraftwerk, in dem Holzchips verheizt werden. Die Fassade besteht aus einer Doppelschicht. Die Äußere reflektiert die UV-Strahlung durch spezielles, weißes Glas. Dahinter zirkuliert Luft, die die Wärme abführt. Dahinter wurden spezielle, computergesteuerte Sonnenschutzrollos angebracht sowie eine Mehrfachverglasung, die Niedrigenergiehaus-Standards entspricht. Es wurde ausschließlich in England hergestellter Stahl verwandt. Das Glas kam aus Europa und wurde über die Themse transportiert. Insgesamt wurden 11.000 Glasplatten verarbeitet. Das Abbruchmaterial des vorher dort stehenden 24-stöckigen Gebäudes wurde recycelt und wiederverwendet. Auch die Verkehrsanbindung war ein wichtiger Punkt. 12.000 Menschen leben und arbeiten im Shard, doch Parkplätze sind kaum vorhanden. Darum gibt es vom Gebäude aus einen direkten Zugang zur London Bridge Station. Das ist der älteste Bahnhof der Stadt, und Verkehrsknotenpunkt für 300.000 Menschen täglich. Dieser Umstand war ursprünglich ausschlaggebend für die Erbauung des Shard.

Das riesige Bauwerk im Süden der Stadt ist von fast überall zu sehen. Von der gegenüberliegenden Seite der Themse fügt es sich für mich stimmig ins Bild. Die Meinungen über den Wokenkratzer gehen jedoch auseinander. Es gab schon vor Baubeginn viel Kritik. Die English-Heritage-Gesellschaft, die für die Pflege historisch bedeutsamer Gebäude zuständig ist, befand, das Hochhaus werde „like a shard of glass“ (wie eine Glasscherbe) durch das historische Herz der Stadt schneiden. So kam der Shard zu seinem Namen.

Über drei verschiedene Aufzüge geht der Weg in die Höhe. 6 m pro Sekunde benötigen die Fahrstühle. So ist man in Windeseile auf dem 69. Stockwerk angelangt.  Ab da heißt es Treppen steigen, um zu den anderen Stockwerken, bzw. der Aussichtsplattform zu gelangen. Im 69. Stock stehen interaktive Teleskope die in Echtzeit zoomen. Man richtet sie auf eine Sehenswürdigkeit, und erhält direkt Informationen darüber. Gleichzeitig gibt es die Option, das ausgewählte Zielobjekt als Nachtansicht anzeigen zu lassen. Die Informationen sind in 10 Sprachen übersetzt. Das gefiel mir richtig gut.

DSC07595Hat man die Plattform in 244m Höhe erreicht, heißt es einfach nur noch, den fantastischen Ausblick genießen. Der Blick aus der Vogelperspektive ist beeindruckend. Über eine solche Metropole hinasu sehen zu können, hat was. Mich läßt ein solcher Ausblick sehr still werden, und ich konnte beobachten, dass es vielen der anderen Besucher ähnlich ging.

DSC07484Gute Fotos von dort oben zu machen, ist nicht einfach. Die Plattform ist in Augenhöhe rundum verglast. Die Spiegelungen darin – vor allem bei Sonnenschein – sind schon eine Herausforderung. Leider hatte ich zu dem Zeitpunkt meine neue Kamera noch nicht. Während ich dort oben stand und fotografierte, hatte ich so meine Zweifel, ob es überhaupt funktionieren würde. Aber ich finde, die Bilder sind ganz gut geworden. Einige Wenige weisen leider eine Spiegelung auf. Hätte ich Zeit gehabt, das ‚Wandern‘ der Sonne abzuwarten, hätte ich sie wohl umgehen können. Das ließ mein Zeitplan jedoch leider nicht zu …

Noch ein Hinweis: Im Internet liest man sehr häufig, die Eintrittskarte müsse vorab gebucht werden. Das stimmt so nicht. Der Hauptvorteil einer Online-Buchung ist eine Einsparung von 5,- GBP. Aber angesichts der unsicheren Wetterlage Englands sollte man sich das gut überlegen. Ich zahle lieber etwas mehr, und habe damit die größere Chance auf gutes Wetter. Und das sollte man bei dem Ausblick schon haben. Einzig zu besonderen Anlässen ist eine Buchung sicherlich sinnvoll.

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