Brigitte Grawe Fotografie & Blog

Murphy’s Law auf Reisen

Wer kennt es nicht; Murphys Gesetz. Es lautet „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen“. Genau das erlebte ich auf meiner letzten Fototour …

Neulich musste ich nach Zeebrügge. Dazu  sollte es nach Blankenberge gehen. Von dort aus ist der Hafen schnell zu erreichen.  Ein hiesiger Reisveranstalter bot eine passende Tagestour an. Prima, dachte ich, praktischer kann es nicht sein. Vor Ort einsteigen, bequem ankommen, 6 ausreichende Stunden Aufenthalt und abends genauso bequem wieder zurück. Also Wetterbericht  angesehen und gebucht. So weit so gut.

Den Tag hatte ich im Vorfeld wie jede Fototour genau durchgeplant. Im Internet versuchte ich den für meine Belange optimalen Zielpunkt herauszufinden. Das war nicht einfach. Der Hafen ist riesig. Es war offensichtlich, dass eine Tour nicht ausreichen würde. Angesichts der zur Verfügung stehenden Zeit wäre eine Hafenrundfahrt wohl fürs Erste die beste Lösung. Schnell und bequem würde sie mich an die gewünschten Fotomotive heranbringen und mir einen Überblick über den Hafen verschaffen. So könnte ich bestenfalls eine zweite Tour vermeiden oder zumindest die nächste prima planen.

Doch dann kam alles gaaanz anders …

In Belgien war am Tag zuvor Feiertag. Vielleicht ist das der Grund, für das, was wir erlebten. Es waren ungewöhnlich viele Autos unterwegs. Die Strecke nach Blankenberge war dicht! Der erste Stau erwischte uns schnell. Eine unendlich scheinende Blechlawine rollte vor uns in mäßigem Tempo dahin. Na ja, dachten wir da noch ganz optimistisch, eine halbe Stunde Verlust macht doch nichts. Das war leider erst der Anfang. Wir kamen von einem Stau in den nächsten. Es schien kein Ende in Sicht. Was anfangs noch humorvoll kommentiert wurde, war irgendwann nicht mehr witzig. Stunde um Stunde verging, wirklich voran kamen wir nicht. Das lange Sitzen im Bus wurde zur Anstrengung. Wir konnten es nicht ändern. Tatsächlich benötigten wir sieben (!!!) Stunden für eine Fahrt, die normalerweise ca. 3,5 dauert.

Am Zielort angekommen, hatten wir nun also eine satte Verspätung. Meine Hafenrundfahrt fiel damit buchstäblich ins Wasser. Zu allem Überfluss kannte sich unser Fahrer – ein Aushilfsfahrer, wie wir später erfuhren –  in Blankenberge nicht aus. So landeten wir auch noch auf einem eher abgelegenen Busparkplatz. Das hieß zum Unmut Aller, erst mal ein ganzes Stück laufen, um ins Zentrum und/oder den Strand zu kommen. Die Zeit lief uns davon. Wenigstens verschob der Reiseveranstalter die geplante Rückfahrt; 5 Stunden Aufenthalt blieben.

So what?

Den vor mir liegenden Teil des Tages wollte ich jetzt erst recht genießen und freute mich auf tolle Fotos. Also auf zur Küstentram, die mich zum Hafen bringen sollte. Während der Fahrt würde ich erstmal so richtig die Aussicht aufs Meer genießen. Hä? Meer? Nix da, die Bahn fuhr zwar an der Küste entlang, aber vom Meer habe ich nichts gesehen. Na ja, da konnte ich jetzt auch noch mit leben. Nach ca. 15 Minuten stieg ich eine Haltestelle früher als geplant aus. Denn was ich von der Tram aus gesehen hatte, schien vielversprechend.

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Das hätte ich wohl besser nicht gemacht. Denn irgendwie kam ich einfach nicht an die gewünschten Stellen des Hafens. Ich war direkt an einem Yachthafen und konnte ein historisches Feuerschiff besichtigen. Das war jetzt nicht schlecht. Aber die üblichen Touristenhotspots waren nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Mein eigentliches Ziel war der Industriehafen. Alles für mich Interessante sah ich aber leider immer nur von Weitem. Alle Versuche, näher heranzukommen scheiterten. Das Gelände ist sehr weitläufig, im wahrsten Sinne des Wortes. Und gelaufen bin ich dann auch; viel und lange! Es war wie verhext, keiner meiner Wege führte mich zum Ziel. So fotografierte ich nur den Yachthafen und Dank Teleobjektiv wenigstens einige wenige meiner Wunschmotive. Etwas enttäuscht machte ich mich irgendwann wieder auf den Rückweg. Ein paar gute Fotos hatte ich zwar gemacht, aber nichts, was meinen Ansprüchen von spannender Hafenfotografie entspricht. Auf der Rückfahrt mit der Küstentram wurde mir klar; dafür wird ein mindestens 2tägiger Aufenthalt notwendig sein. Ich versorgte mich noch mit Essen und Trinken, und stieg dann müde und mit schmerzenden Füßen wieder in den Reisebus ein.

Die Rückfahrt

Wenigstens konnten wir nun eine zügige Rückfahrt erwarten. Schon auf der Hinreise hatten wir gesehen, dass sich die Staus nur in Küstenrichtung entwickelt hatten. Der Gegenverkehr war weitgehend störungsfrei vorangekommen. Lediglich ein Fahrerwechsel stand uns bevor, da die Lenkzeiten eingehalten werden mussten. Müde von dem langen Tag, aber hoffnungsvoll, verließen wir um 19:00 Uhr Blankenberge. Voraussichtliche Ankunft in der Heimat spätestens ca. 22:30 Uhr. Der kleine Stau am Ortsausgang störte uns nicht wirklich. Ab da ging es wie erwartet voran. Im Bus war es still, die Meisten schliefen oder dösten vor sich hin. Warum wir dann trotz scheinbar freier Strecke eine andere Route wählten, ist mir noch heute schleierhaft. Per Anweisung seines Chefs fuhr unser Fahrer jetzt Richtung Lüttich. Da war uns schon klar, es wird eventuell doch etwas länger dauern. Eine halbe Stunde vielleicht? Hätte auch klappen können, wenn ….

Würde, könnte, müsste, hätte – Fahrradkette!

Irgendwann wunderten wir uns über den merkwürdigen  Streckenverlauf. Wir fuhren direkt an einem Flughafen vorbei und landeten dann in einer eher kleinen Ortschaft. Wo waren wir???? Irgendwann gestand unser Fahrer, dass er offensichtlich die falsche Autobahnausfahrt erwischt habe, und nun wieder auffahren müsse; irgendwie. Ein Aushilfsfahrer kennt sich eben nicht aus. Wir schwankten zwischen Wut und Verständnis. Was jetzt?

Schließlich fuhren wir einen Hotelparkplatz an. Da standen wir nun, müde und entnervt um halb zehn in der Nähe von Brüssel. Eigentlich hätten wir um diese Zeit schon kurz vor Aachen sein müssen. Was nun? Wir erfuhren, hier sollte der angekündigte Fahrerwechsel stattfinden. Das dauerte natürlich, wir mussten warten. Wenigstens konnten wir uns in einem naheliegenden Geschäft mit Getränken und Essen versorgen. Wer wusste schon, wann wir endlich ankommen würden. Alles schien möglich.

Um 22:00 Uhr ging es endlich weiter. Nun war klar, ca. 2 Stunden Fahrt lagen noch vor uns. Unfassbar! Der neue Fahrer, es war der Chef des Unternehmens, brachte uns dann wenigstens ohne weitere Verzögerung nach Hause. So benötigten wir für die Rückfahrt unglaubliche 5 Stunden. Insgesamt hatten wir damit 12 Stunden im Bus verbracht, um uns 5 Stunden im Blankenberge aufhalten zu können. Für die Staus auf der Hinfahrt kann sicher niemand etwas. Aber die Rückfahrt? Für die vermeidbaren Umstände, die nach dem Erlebnis am Vormittag schlichtweg eine Zumutung waren, warte ich bis heute auf eine Entschuldigung. Eine Gutschrift oder teilweise Erstattung des Buchungspreises wäre aus meiner Sicht das Mindeste. Doch leider hält sich der Veranstalter bedeckt.

Resümee

  1. Eigentlich wollte ich 2 Tage später mit demselben Anbieter nach Luxemburg fahren. Aber nach dieser Erfahrung habe ich davon verständlicherweise abgesehen.
  2. Vor einer weiteren Reise werde ich mich sicherheitshalber erkundigen, ob Murphy mitfährt.
  3. Der Hafen ist auf jeden Fall immer noch im Fokus!
  4. Unser zufälliger Reisetrupp war echt klasse! Trotz aller Widrigkeiten haben wir viel gelacht. Bis auf zwei Ausnahmen, blieben alle bis zum ‚bitteren Ende‘ gelassen.

Die Fotos dieser Tour sehen Sie übrigens hier:

 

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