Brigitte Grawe Fotografie & Blog

Grachtenstadt Amsterdam

Ein riesiges Netz von Kanälen durchzieht Amsterdam. Angelegt wurden sie  ursprünglich als Entwässerungsgräben und dienten der Stadterweiterung. Schnell erkannte man ihren zusätzlichen Nutzen als Verkehrsweg für den Warentransport. Die meisten Grachten stammen aus dem 17. Jahrhundert. Die ältesten – Oudezijds Voorburgwal und Oudezijds Achterburgwal – sind auf das  14. Jahrhundert datiert.

Das Besondere der Amsterdamer Grachten ist ihre musterartige Anordnung. So bildet der Grachtengürtel einen Halbkreis um den mittelalterlichen Stadtkern. Dabei ist die Singlegracht die Begrenzung, während Heren-, Keizers- und Prinsengracht als Hauptkanäle fungieren. Allein dieses Gebiet umfasst 160 Hektar und zählt 7737 denkmalgeschützte Häuser. Es gilt als städtebauliches und architektonisches Gesamtkunstwerk und wurde 2010 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

Insgesamt zählt die Stadt über eine Länge von ungefähr 75 Kilometern 161 Grachten; mehr als Venedig. Unterteilt wird Amsterdam dadurch in 90 Inseln. Deren Verbindungen bilden 1281 Brücken und Viadukte.

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All das prägt nicht nur das Stadtbild sondern auch die Lebensart der Bewohner. Etwa 2500 Hausboote liegen festverankert in den Wasserstraßen. Einen Großteil ihrer Freizeit verbringen die Amsterdamer gerne an oder auf den Grachten. Entsprechend viel Verkehr ist auf den Wasserwegen der Stadt zu beobachten. Pro Jahr werden übrigens von Fietsefischern, bzw. sogenannten Grachtenputzern  etwa 15000 Fahrräder aus den Kanälen gefischt. Und; pro Woche landet ein Auto im Wasser.

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„European City of Trees“

Nicht wegzudenken sind auch die Bäume der Stadt, vor allem entlang der Kanäle. Bereits vor 1600 wurde jede neu angelegte Gracht so bepflanzt. Die schönen Schattenspender sollten vor allem die Kais festigen. Erlaubt waren seit jeher nur Ulmen. Der Grund; ihre Wurzeln breiten sich nur in die Tiefe aus. So bleiben die Kanalwände unbeschadet. Mittlerweile zählt man ungefähr 75.000 davon in Amsterdam. Insgesamt gibt es mehr als 380.000 Bäume in der niederländischen Hauptstadt. Darunter finden sich nicht wenige monumentale, sehr alte Exemplare. Für den Erhalt wird eine intensive Baum-Politik betrieben; mit Erfolg! Keine andere Metropole Europas kann da mithalten. Kein Wunder also, dass Amsterdam 2012 als „European City of the Trees 2012“ ausgezeichnet wurde.

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Grachtenarchitektur

Grachten, Bäume und die sogenannten Grachtenhäuser gehören untrennbar zusammen. Denn genauso besonders wie die Wasserwege und ihre Begrünung sind die meist historischen und prunkvollen Häuser zu beiden Seiten der Kanäle innerhalb des Grachtengürtels. Die hohen, teils sehr eleganten, Giebelhäuser wurden früher von reichen Kaufmannsleuten und dem Großbürgertum bewohnt. Im Laufe der Jahrhunderte wurden sie immer wieder verändert. So sehen wir heute nicht mehr die Originalbauten aus dem 17. Jahrhundert. Die Prächtigsten sind an der Herengracht, dem innersten Hauptkanal des Amsterdamer Grachtengürtels, zu sehen. Ende des 17. Jahrhunderts bauten hier  in der sogenannten Gouden Bocht (Goldene Bucht) die reichsten und mächtigsten Amsterdamer Familien monumentale Paläste. Heute haben darin Versicherungen, Banken und Anwaltskanzleien ihre Büros. Dazu gibt es in Kürze eine eigene Fotoserie.

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Doch auch die alten, oftmals windschiefen Häuser in der Altstadt haben ihren Charme.

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Fassaden

Die Fassaden der Grachtenhäuser sind nicht nur besonders schön, sondern auch interessant. Auch die alten Häuser in der Altstadt außerhalb des Grachtengürtels haben einiges zu bieten. Schaut man etwas genauer hin, fallen die vielen Hebebalken ins Auge. Jedes Haus mit Satteldach hat am Giebel eine solche Vorrichtung. Der Grund; die schmalen Treppen ließen nicht viel Raum für den Transport von größeren Möbeln. So führte der Weg einzig durch die Fenster. Um die Mauern vor den ev. in Bewegung geratenden und dadurch anstoßenden Waren zu schützen, wurden viele Giebel zusätzlich mit einer leichten Neigung nach vorne gebaut.

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An vielen Fassaden kann man noch Giebelsteine entdecken. Ca. 2000 Stück soll es davon in Amsterdam geben. Dabei handelt es sich um Reliefs aus Stein, die meist bemalt sind. Die Darstellungen gaben Auskunft über die Bewohner und/oder deren Berufe. Da es in früheren Jahrhunderten weder Hausnummern noch Straßenschilder gab, dienten sie als eine Art Wegweiser. Etwa 2.000 ursprüngliche Exemplare findet man davon noch in Amsterdam. In ihrer Gestaltung sind Giebelsteine recht vielfältig. Um Erhalt und Restauration kümmert sich die Vereniging Vrienden van Amsterdamse Gevelstenen (Vereinigung Freunde der Amsterdamer Giebelsteine). Sie veröffentlicht u.a. via Flickr eine interessante und wunderschöne Übersicht: Overzicht van de Amsterdamse gevelstenen.

Einige davon kann man übrigens auch im Beginenhof der Stadt bewundern:

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Let op! Fietse overal …

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Wer über Amsterdam schreibt, darf die Fahrräder nicht außen vor lassen. Radfahren hat in den Niederlanden Tradition. Im gesamten Land gibt es unfassbare 18 Millionen Fietse! Und dafür tut man auch viel; Fahrradwege über tausende Kilometer. In der ‚Stadt der Fahrräder‚, gibt es tatsächlich mehr Fietse (dt.: Fahrräder) als Einwohner. Das sind knapp 880.000 Stück! Das liegt auch an den vielen Verleihern; denn auch Touristen bewegen sich gerne als Pedalritter durch die Stadt.

Wo man geht und steht; die Hollandräder sind nicht zu übersehen. Was man wissen sollte; Radfahrer haben absolute Sonderrechte im Verkehr. Als Tourist muss man da ganz schön Acht geben, nicht umgefahren zu werden. Ein Problem ist allerdings mangelnder Parkraum. Am Hauptbahnhof gibt es eine extra Parkstation. Dort und am Südbahnhof werden allein 18.000 Räder täglich geparkt. Der Rest steht überall in der Stadt, jede Lücke, jedes freie Plätzchen wird genutzt.

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Vielleicht radeln auch Sie bei Ihrem nächsten Besuch durch das schöne Amsterdam? Es ist sicherlich eine Erfahrung wert. Weitere Fotos der Stadt sehen Sie in meinem Portfolio. Es gibt mehrere Galerien dazu, die alle unter der Kategorie Amsterdam zu finden sind. Da ich in der nächsten Zeit aufgrund eines geplanten Buchprojektes öfter dort bin, wird es sicherlich schon bald noch mehr Fotos geben. Weitere Blogbeiträge sind bereits in Arbeit. Über Amsterdam läßt sich noch viel Interessantes berichten.

Doch nun wünsche ich Ihnen erst einmal viel Freude beim Anschauen der Fotos!

 

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