Brigitte Grawe Fotografie & Blog

Edinburgh

Edinburgh, so heißt es, sei eine der schönsten Städte Europas. Entsprechend hoch waren bei mir Vorfreude und Erwartung. Ich wurde nicht enttäuscht – im Gegenteil! Doch was macht diese Stadt so einzigartig, so mitreißend? Ist es die wunderschöne Lage direkt am Meer? Die ruhmreiche Historie oder die so besondere Architektur? Sind es die vielen kulturellen Angebote, die Herzlichkeit der Schotten oder doch die unzähligen Sehenswürdigkeiten? Ich finde, es ist einfach alles …

Edinburgh entstand – ausgehend von Edinburgh Castle – ungefähr im 11. Jahrhundert. Verlässlich weiß man dies nicht. Im 13. und 14. Jahrhundert wurde die Stadt mehrfach belagert, angegriffen und teilweise zerstört. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts erholte sich Edinburgh wieder, gewann zunehmend an Bedeutung und ist seit 1437 die Hauptstadt Schottlands. Die erste 1450 erbaute Stadtmauer umfasste ein relativ kleines Gebiet; die heutige Old Town. Mit steigender Einwohnerzahl wurde der Wohnraum jedoch immer knapper. So begann man dicht an dicht Häuser mit bis zu 12 Stockwerken zu errichten. Dazwischen lagen die sog. Closes; Gassen, die so schmal waren, dass man in der Mitte stehend beide Häuserseiten berühren konnte. Die hohen Bauten ließen kaum Tageslicht durch. Verrauchte Pubs, Bordelle und kleine Handwerkerläden, Abfall, Fäkalien und darin wühlende Tiere prägten das damalige Bild. Keine schöne Vorstellung …

Machen wir einen Zeitsprung; ca. 560 Jahre später ist Edinburgh mit mehr als 580.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Ein dichtes Verkehrsnetz erleichtert das tägliche Leben. Mehr als 2000 Fahrer transportieren in ungefähr 650 Bussen die unzähligen Menschen im Minutentakt durch das weitläufige Edinburgh. Die besten Universitäten des Landes sind hier zu finden. Studenten vieler Nationen bevölkern die Straßen. Die Pubkultur incl. schottischer Livemusik ist  reichhaltig. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei; von elegant bis urgemütlich und historisch. An den verschiedensten Ecken finden sich die unverzichtbaren Dudelsackspieler, die geduldig und ohne ihr Spiel zu unterbrechen für Touristenfotos zur Verfügung stehen. Die ruhmreiche Geschichte der Stadt spiegelt sich in den unzähligen Sehenswürdigkeiten wieder. Edinburgh Castle, Arthur’s Seat, Holyrood Palace, Scotland National Galleries, Calton Hill sind nur einige davon. Die Old Town ist aber eindeutig das bekannteste und meistfrequentierte Ziel von allen. Die von Ost nach West verlaufende Princes Street trennt Old und New Town voneinander und bildet den Mittelpunkt der Stadt. So sieht man auf der einen Seite die moderne Haupteinkaufsmeile, auf der anderen die historische Altstadt. Beide Teile der Stadt gehören seit 1996 zum Weltkulturerbe – zu Recht.

New Town besteht überwiegend aus klassizistischen Gebäuden des späten 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts. Viele der bedeutendsten Architekten entwarfen damals unter der Leitung von James Craig die Bauten des neu entstehenden Stadtteils. Wer shoppen möchte, ist hier genau richtig. Mit Blick auf Edinburgh Castle lässt es sich in New Town ausgedehnt bummeln. Klassische britische Markengeschäfte, Luxusboutiquen, typisch schottische Läden, die wunderschönen und eindrucksvollen Kaufhäuser Jenners und Harveys Nichols mit seinen 5 Etagen oder auch die Princess Mall sowie St. James Centre bieten genügend Auswahl.

Princess StreetDSC02844Wer sich eher der Historie Edinburghs zuwenden möchte, wechselt einfach die Straßenseite. Old Town ist umwerfend, der erste Blick darauf ist unvergesslich. Gleich hinter den Princes Street Gardens reihen sich historische Gebäude eng aneinander und ergeben ein wunderschönes Panorama, an dem man sich nicht satt sehen kann. Beginnend am Edinburgh Castle erstreckt sich der älteste Teil der Stadt bis Holyrood Palace. Die Royal Mile ist das Herz der Old Town. Sie besteht aus mehreren Straßen: der Castle Esplanade, Castlehill, Lawnmarket, High Street, Canongate und Abbey Strand. Einmal darin eingetaucht, wird man immer tiefer hineingezogen; die ungewöhnlich hohen Häuser, historische Pubs und mittelalterliche Gassen prägen den Charakter der Altstadt. Bin ich hier unterwegs, fühle ich mich wie in einem Zeitsprung. Da passen die vielen Busse und Cabs so gar nicht hinein, und mitunter wünsche ich mir, man hätte die ein oder andere Straße für den Verkehr gesperrt.

Mittelalterliches PanoramaDSC02918aFür KünstlerInnen und Kunstinteressierte ist Edinburgh ebenfalls von besonderer Bedeutung. Das weltgrößte Kunstfestival Fringe, Museen und Galerien bieten ein abwechslungsreiches, anspruchsvolles Programm. Aufgrund des wirklich großen kulturellen Angebotes der Stadt sollte man sich bestenfalls vor der Reise informieren und in etwa festlegen. Sonst ist man je nach Urlaubsdauer schnell überfordert. Die Scottish National Galleries sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Eine aus meiner Sicht unverzichtbare Ausstellung findet zur Zeit in der Queen’s Gallery statt; Leonardo da Vinci. Klein aber fein finde ich auch das Museum of Childhood auf der High Street. Es ist leicht zu übersehen. Etwas unscheinbar kommt es daher, und läßt nicht unbedingt vermuten, was sich dahinter verbirgt. Kinderspielzeug unterschiedlichster Epochen gibt einen nostalgischen Einblick in die jeweilige Kindheit. Die ältesten Exponate sind aus dem 18. Jahrhunderts, die jüngsten aus heutiger Zeit.

Wer  zwischendurch eine Pause vom Trubel der Stadt braucht, kann sich am Strand von Edinburgh erholen. Nicht weit vom Zentrum entfernt liegt der Vorort Portobello. Einen prächtigen Boulevard darf man hier nicht erwarten. Doch es hat den besonderen Charme kleiner britischer Seebäder. Ich finde es malerisch, und der etwas mehr als drei Kilometer lange Sandstrand ist sauber. Hotels und Pensionen bieten Übernachtungsmöglichkeiten an, sodass man alternativ auch hier, direkt am Meer, urlauben kann. Mit dem Bus ist die Stadt in ca. 15-20 Minuten erreichbar.

DSCN1053Mein Fazit: Edinburgh ist definitiv nicht nur eine der schönsten, sondern die schönste Stadt Europas, und man sollte sie gesehen haben. Für eine ausreichende Erkundung braucht man mindestens 10 Tage. Wer sie wieder verlässt, wird Liebeskummer und Trennungsschmerz empfinden, denn der einzigartige Charme Edinburghs lässt einen so schnell nicht los. An keinem Ort dieser Welt habe ich so freundliche, hilfsbereite und offene Menschen kennengelernt wie hier. Für ihre herzliche Gastfreundschaft sind die Schotten ja bekannt. Wer über ausreichende Englischkenntnisse verfügt, und keine Berührungsängste hat, wird sich in ihrer Gesellschaft ausgesprochen willkommen und entsprechend wohlfühlen. Mein Tip; einfach rein ins schottische Leben …

Eine Auswahl meiner Fotos sehen Sie hier: Edinburgh