Brigitte Grawe Fotografie & Blog

Chelsea – NOT Fußball

Chelsea gehört zu den nobelsten Stadtteilen Londons und liegt im Westen der Stadt, zwischen Sloane Square und der Themse. Es ist ein Ort, den man durchaus als Kultviertel bezeichnen kann. Wer nach London reist, sollte es nicht versäumen zumindest einmal durch die legendäre King’s Road gelaufen zu sein. Nicht zuletzt, weil die malerischen Straßen und Häuser des Viertels das in unserer Vorstellung so lebendige, romantische Bild vom Leben der Engländer erfüllen. Mich erinnert Chelsea sehr an die Walt-Disney Verfilmung ‚Mary Poppins‘. Zur Erinnerung; die ‚Banks‘ wohnen im vornehmen London der Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Vor meinem inneren Auge sehe ich in den Straßen Chelseas Jane und Michael herumlaufen. Na ja, Künstlerfantasie eben …

Das Stadtviertel war schon früh Anziehungspunkt für kreative Köpfe. Während des 19. Jahrhunderts wurde Chelsea zum Künstlerviertel. Dante Gabriel Rossetti, William Turner, James McNeill Whistler, William Holman Hunt, Virginia Woolf, George Meredith und Thomas Carlyle lebten und arbeiteten in Chelsea. Auch Oscar Wilde ließ sich hier nieder. In seinem Haus an der Tite Street soll er seine bedeutendsten Werke geschrieben haben. Besonders beliebt war die Gegend um Cheyne Walk  und Cheyne Row. Der Zweite Weltkrieg veränderte jedoch alles. Chelsea war nun nicht mehr schick und wohlhabend, sondern arm und heruntergekommen. Doch der Stadtteil erholte sich wieder. In den Swinging sixties entstand erneut ein Künstlerviertel. Die Beatles, Bob Marley und auch die Rolling Stones lebten in dieser Gegend. Aber auch Punks und Hippies bevölkerten die Straßen. Frivol, sophisticated, vorurteilsfrei und modern, so zeigte sich Chelsea damals. Die Hauptverkehrsstraße King’s Road wurde ausschlaggebend für Stil und Mode. Die Designerin Mary Quant erfand hier den Minirock, engl. ‚mini-skirts‘. Von einer kleinen Boutique namens Bazaar im Markham House an der King’s Road trat er seinen Siegeszug über weite Teile der Welt an. In den 1970er Jahren war am “World’s End”-Abschnitt Vivienne Westwoods Laden ‚Sex‘ zu finden. Auch einen berühmten fiktiven Einwohner gibt es; James Bond – seine ‚Adresse‘: Wellington Square.

dsc064152

Auch heute gilt Chelsea als extravagantes Künstlerviertel. Da verwundert es nicht, dass hier 2008 die Saatchi Gallery  eröffnete. Auch die Parallax Art Fair nutzt diesen Umstand; sie findet zweimal jährlich in der Chelsea Old Town Hall statt. Die berühmte King’s Road ist wohl das Herzstück des Viertels. In den eleganten, noblen Geschäften findet sich eine Mischung von modernem und traditionellem englischen Design wieder. Schon die Schaufensterdekorationen sind sehr außergewöhnlich. Ich liebe diese Einkaufsstraße besonders am Samstagvormittag. Dann shoppen die Bewohner, bzw. Londoner, gemütlich in den schicken Boutiquen, und bevölkern Restaurants und Pubs.

dsc08621 dsc08622 dsc08641 dsc086522

Auf dem jeden Samstag stattfindenden Feinkostmarkt neben der Duke of York Piazza lassen sich die Schleckermäuler verwöhnen. Ob Süßes oder Herzhaftes, Warmes oder Kaltes; hier gibt es für jeden etwas.  Im Gegensatz zum schnellen, lauten Zentrum Londons ist das beschauliche Treiben in Chelsea eine Wohltat und sehr erholsam.

dsc086661

Mir gefallen aber noch besser die idyllischen Wohnstraßen rund um die King’s Road. Die kleinen Straßen prägen den Charme Chelseas:

dsc06419

dsc08637 dsc06400 dsc06409

St. Luke’s Church, auch genannt Chelsea Old Church: Die im Jahre 1824 fertiggestellte Kirche liegt in unmittelbarer Nähe zur King’s Road :

dsc06441a

Weitere Fotos (aufgenommen mit einer einfachen Digitalkamera) sehen Sie in meinem Portfolio: Chelsea in London