Brigitte Grawe Fotografie & Blog

Calton Hill

Möchte man die Edinburgher Abendsonne genießen, ist Calton Hill optimal geeignet. Besonders zur ‚blauen Stunde‘ ist es ein beliebter Ort für Fotografen und Verliebte. Der Aussichtspunkt bietet nicht nur einen fantastischen Rundumblick auf die Stadt und die sie umgebenden Landschaften, sondern ist auch ein wirklich romantisches Fleckchen Erde. Wie fast alles in Edinburgh hat auch dieser Ort einen historischen Hintergrund. Calton Hill ist einer von insgesamt sieben Hügeln Edinburghs und u.a. Sitz des regionalen Parlaments. St. Andrew’s House, Hauptsitz der schottischen Regierung, befindet auf der Südseite:

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Die Sehenswürdigkeiten auf Calton Hill wirken wie ein beinahe skurriler Mix architektonischer Bauwerke. Das Auffälligste ist ein zwölfsäuliger Portikus. Das ‚National Monument‚ wurde Anfang des 19. Jahrhunderts zu Ehren der Gefallenen der napoleonischen Kriege erbaut. Der Grundstein wurde am 27. August 1822 gelegt. Der eigentliche Baubeginn war 1826. Doch was als imposanter Parthenon geplant war, musste leider 1829 aus Geldmangel in seiner Entstehung abgebrochen werden. Was blieb, waren die 12 Säulen. Darum nennt man es auch „Scotlands Pride and Poverty“ = Schottlands Stolz und Armut:

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Das Nelson Monument wurde zwischen 1807 und 1815 zu Ehren des Vizeadmirals Horatio Nelson erbaut, der in der Schlacht um Trafalgar im Jahre 1805 fiel. Das Denkmal steht auf dem höchsten Punkt des Hügels, und sieht aus wie ein Teleskop. Seine Höhe beträgt 32 Meter. Auf seiner Spitze wurde 1853 eine 762 kg schwere Kugel angebracht, bestehend aus Holz und Zink. Dabei handelt es sich um ein historisches Zeitsignal; dem sog. ‚Time ball‘. Kurz vor 13.00 Uhr wird sie angehoben und genau um 13.00 Uhr versenkt. Dadurch signalisierte sie den Schiffen im Firth of Forth die genaue Zeit, sodass die Seefahrer ihre Chronometer danach stellen konnten. Damit sie dies nicht verpassten, kam später die ‚One-O’Clock Gun‘ (13-Uhr-Kanone) auf Edinburgh Castle hinzu. Als Touristenattraktion wird sie noch heute Montag bis Samstag um Punkt 13 Uhr Ortszeit abgefeuert.

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Der Dugald Stewart Monument ist aus meiner Sicht die schönste Sehenswürdigkeit auf Calton Hill. Es wurde im Auftrag der Royal Society of Edinburgh 1830-1831 zu Ehren des schottischen Philosophen und Mathematkers Dugald Stewart (1753-1828) erbaut. Der kleine Tempel ist dem Lysikratesmonument in Athen nachempfunden; eine Urne umgeben von 9 korinthischen Säulen. Im Hintergrund erhebt sich die Old Town:

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Der 27m hohe Obelisk ‚Political Martyrs‘ Monument‚ erinnert an die Märtyrer der Parlamentsreform: Thomas Muir; Thomas Palmer; William Skirving; Maurice Margot and Joseph Gerrald. Sie wurden in den späten 1700ern wegen Felonie (französisch =Verräter) angeklagt, zu 14 Jahren Haft veruteilt und nach Australien deportiert.  Das Denkmal ist auch unter dem Namen ‘Hamilton Obelisk’ bekannt:

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Auf  Calton Hill ist ebenfalls die Sternwarte von Thomas Short zu sehen (Thomas Short’s observatory). Er war nach Edinburgh gekommen, um eine Volkssternwarte auf Calton Hill zu eröffnen. Thomas Short war Optiker und Bruder des berühmten Edinburgher Teleksop-Herstellers James Short. Er bekam für sein Vorhaben von der Stadt ein Grundstück auf Calton Hill zur Verfügung gestellt. Für den Bau erhielt er zudem Gelder, die im Jahre 1736 für eine geplante Universitätssternwarte gesammelt, aber nie verwandt worden waren. Dafür sollte seine Sternwarte nach Fertigstellung Studenten zur Verfügung stehen. Der Architekt James Craig entwarf das Gebäude, das wie eine Festung mit mehreren Türmen aussehen sollte. Doch nach dem Bau des ersten Turmes ging das Geld aus. Short bezog diesen Turm und betrieb darin ein Observatorium. Die tatsächliche Sternwarte wurde später nachgebaut; kleiner als ursprünglich geplant. Nach Shorts Tod im Jahre 1788  führte die Familie seine Arbeit noch eine Weile fort, verpachtete aber später. Im Jahre 1812 wurde das Observatorium an die Edinburgh Astronomical Institution übergeben. Nach dem Auszug der letzten Bewohner war der Turm lange dem Verfall überlassen, inzwischen ist er jedoch renoviert und dient heute als Ferienhaus:

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Calton Hill war die letzte Station meines Aufenthaltes in Schottland. Bezaubernd schön lag die Stadt in der Abendsonne unter mir. Der Rundgang erfüllte mich mit Wehmut, denn es war mein Abschied von Edinburgh. Am nächsten Tag sollte leider mein Flieger wieder Richtung Deutschland gehen. Mit Tränen in den Augen erlag ich noch einmal dem einzigartigen Charme Edinburghs. Mein Herz war richtig schwer. Ich spürte Trennungsschmerz und hatte das Gefühl, mich aus dieser Stadt und diesem Land regelrecht herausreißen zu müssen. Das obligatorische Fotografieren tröstete mich ein wenig. Ein letztes Mal fing ich mit der Kamera die Magie Edinburghs ein, mit dem festen Vorsatz, sobald wie möglich wiederzukommen. Inzwischen plane ich tatsächlich schon meinen nächsten Aufenthalt dort…

Weitere Fotos sehen Sie hier: Calton Hill